Inflation – die leise Gefahr


Was ist Inflation?

Das Substantiv Inflation bezeichnet in der Wirtschaftswissenschaft die Verteuerung von Gütern (steigende Preise), was zu einer Minderung der Kaufkraft führt. Historisch gesehen findet eine Halbierung des Geldwerts im Zeitraum von circa 25 bis 35 Jahren statt. In einem einfachen Beispiel hieße das: Kann ich heute eine Kugel Eis für 1 € kaufen, so kostet die Kugel Eis vielleicht in 30 Jahren 2 €. Für dasselbe Gut muss also das doppelte Geld bezahlt werden.

Inflation ist eine wichtige Variable, wenn es darum geht, Geldwerte „real“ zu beurteilen – so haben beispielsweise 10.000 Euro wesentlich weniger Kaufkraft als 10.000 DM vor 30 Jahren.
Somit spielt die Inflationsrate auch eine wichtige Rolle bei der Bewertung von Finanzanlagen. Seit einigen Jahren (Stand 2014) liegen die durchschnittlichen Zinsen im Geldwertbereich (z.B. von Sparbüchern, Tagesgeld, Lebensversicherungen oder Bausparverträgen) unterhalb der offiziell ausgewiesenen Inflation in Deutschland. Damit wird zwar „nominal“ Geld angespart (d.h. die Summe wird größer), doch real verliert man Kaufkraft und sieht dem eigenen Kapital beim Schmelzen zu (10.000 Euro heute sind eben weniger wert als 10.000 DM vor 30 Jahren, auch wenn 10.000 € „nominal“ ungefähr das Doppelte sind).

Inflationsmessung in Deutschland

In Deutschland wird die Inflation für die Verbraucher mit dem „Verbraucherpreisindex“ angegeben.
Das Statistische Bundesamt führt hierfür einen repräsentativen Warenkorb für die deutsche Durchschnittsfamilie (2,2 Personen) und misst kontinuierlich die Veränderungen der Preise innerhalb des Warenkorbs. Die Europäische Zentralbank hat den Auftrag, die Inflation in der Euro-Zone nahe, aber nicht über 2 % zu halten.

Kritik an der offiziell ausgewiesenen Inflation und persönliche Inflation

Einige namhafte Wirtschaftswissenschaftler wie Verbraucherschützer äußern immer wieder Kritik an der offiziell ausgewiesenen Inflationsrate, denn:

Die staatlich ausgewiesene Inflation
– gewichte die Güter nicht nach der Kaufhäufigkeit.
– wird durch den Preisverfall von hochpreisigen Gütern, die selten gekauft werden, nach unten verzerrt.
– wendet die so genannte hedonistische Methode an, bei der eine Leistungsverdopplung eines Produktes bei gleichbleibendem Preis wie eine Preishalbierung gewertet wird.

Zum besseren Verständnis möchte ich die einzelnen Punkte etwas näher erläutern.

1. Keine Gewichtung nach Kaufhäufigkeit

Dies führt dazu, dass Produkte des täglichen Bedarfs vergleichsweise wenig Einfluss auf die offiziell ausgewiesene Inflationsrate haben. Der Konsument sieht, dass er früher mit 100 DM noch den Einkaufswagen füllen konnte und dass er heute für 50 Euro gerade mal noch eine Tüte voll bekommt. Grund hierfür ist, dass die Preise von Produkten des täglichen Bedarfs, insbesondere von Obst, Gemüse und anderen Lebensmitteln weit stärker gestiegen sind als die Preise anderer Güter. Somit bleibt für den Normalbürger weniger Netto im Geldbeutel übrig, obwohl die offizielle Inflationsrate kaum ansteigt.

2. Preisverfall hochpreisiger Güter verzerrt die Inflationsrate nach unten

Während Obst und Gemüse immer teurer werden, werden viele High-Tech-Produkte wie Flachbildfernseher oder auch Autos immer günstiger. Der Preisverfall dieser sehr teuren Güter verzerrt die offizielle Inflationsrate stark nach unten, insbesondere da – wie unter 1. schon erläutert – die Kaufhäufigkeit nicht berücksichtigt wird. Wenn sich ein Flachbildfernseher von 20.000 Euro auf 10.000 Euro im Preis halbiert, dann fällt die Butter, die sich um 30 Cent verteuert, nicht stark ins Gewicht.

3. Messung nach der hedonistischen Methode

Diesen Punkt möchte ich zum Verständnis mit einem Beispiel unterlegen: Nehmen wir an, das iPhone 6 wird durch ein doppelt so schnelles iPhone 7 ersetzt. Das alte iPhone war für 800 € zu erwerben und das neue iPhone ist nun auch für 800 € zu erwerten. In diesem Fall weisen die Statistiker des Statistischen Bundesamts eine Preishalbierung (Preissenkung um 50 %) aus. Der tatsächlich Preis hat sich hierbei gar nicht geändert, sondern es wird lediglich ein doppelt so schnelles Nachfolgeprodukt zum selben Preis angeboten. Diese Kalkulation findet bei allen vergleichbaren IT-Produkten statt und verzerrt ebenfalls die offiziell ausgewiesene Inflation nach unten.

Was bedeutet das für mich?

Für uns alle bedeutet dies leider, dass die Situation noch ernster ist, als sie uns offiziell dargelegt wird. Es findet eine kalte und meist unbemerkt Enteignung der Sparer statt. In den Fachkreisen diskutiert man darüber unter dem Begriff Finanzrepression. Wenn wir in der aktuellen Phase (Stand 2014) sehen, dass die Zinsen traditioneller Geldwertprodukte (Sparbuch, Lebensversicherung, Bausparvertrag) unter der offiziell ausgewiesenen Inflationsrate liegen, und wenn wir dann auch noch wissen, dass unsere persönliche Inflationsrate meist deutlich über der offiziell ausgewiesenen liegt, dann müssen wir noch kritischer und wachsamer sein. Solange der Zins oder die Rendite unterhalb unserer persönlichen und tatsächlichen Inflationsrate liegt, werden wir mit dem gesparten Geld von Jahr zu Jahr weniger kaufen können, obwohl das Geld auf dem Papier mehr wird. In der Sprache der Wirtschaftswissenschaftler heißt dies: Das Kapital wird nominal mehr, real allerdings weniger.

Was Sie persönlich tun können, erfahren Sie hier.

Zuletzt möchte ich Ihnen wieder einige Videos ans Herzen legen, die meiner Meinung nach wichtiges Wissen transportieren.

 

Die offiziell ausgewiesene Inflation ist nur die halbe Wahrheit – das Frühstück wird teuer, sagt sogar die UNO

 

n-tv: Inflation – Was die wenigsten wissen, was sie aber unbedingt wissen sollten!

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