Priming durch Morgenstern und Abendstern

 

Haben Sie schon einmal etwas von Priming gehört?

Lassen Sie sich doch einfach auf ein kurzes Experiment ein und lesen die folgenden Wörter der Reihe nach laut:

 

 

Morgenstern

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Abendstern

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Zwergelstern

 

 

Den Morgenstern haben Sie vermutlich schon einmal gesehen. Den Abendstern ebenso.

Auch den Zwergelstern?

Wenn Sie Zwergel-Stern gelesen haben, dann standen die beiden vorigen Sterne für Sie ungünstig.

Tatsächlich hat es vielmehr etwas mit Vögeln zu tun!

Es handelt sich schlicht und einfach um Zwerg-Elstern. Und hätte ich Ihnen nicht die Sterne präsentiert, hätten Sie diese auch erkannt.

Und schon sind wir beim Priming: Die Sterne haben ein assoziatives Netzwerk in ihrem Hirn aktiviert und Sie auf die falsche Fährte gelockt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[Es folgt ein Ausschnitt aus einem nicht veröffentlichten Skript des Blog-Autors]

 

Was genau ist Priming?

Unser Gehirn arbeitet assoziativ. Das neuronale Netzwerk können Sie sich vorstellen wie die „Mind Map“ beim Brainstorming. Durch das Lesen der Wörter Morgenstern und Abendstern ist das neuronale Netzwerk rund um Sterne aktiviert. Ganz in der Nähe finden Sie Sonne und Mond sowie andere Himmelskörper.

Dies legt nun nahe, dass Sie das Wort Zwergelstern als irgendeinen Stern interpretieren, auch wenn Sie sicherlich noch nie etwas von einem Zwergel-Stern gehört haben.
Hätte ich Ihnen das Wort Zwergelstern isoliert präsentiert, so hätten Sie innerhalb kürzester Zeit bemerkt, dass es sich um Zwerg-Elstern handelt. In diesem Fall hätte keine bahnende Beeinflussung Ihrer Wahrnehmung stattgefunden.

Priming bezeichnet also die Beeinflussung der Wahrnehmung eines Reizes durch einen oder mehrere voran-gegangene Reize. Die vorangegangenen Reize in diesem Fall waren die beiden Sterne, die für die „falsche“ Bahnung (Priming) gesorgt haben. Die Interpretation des dritten Wortes als irgendein Stern lag so nahe, dass Sie vermutlich erst gar nicht auf die Idee kamen, es könnte sich dabei um ein anderes Wort handeln.

 

Wo wird Priming eingesetzt?

Neben der soeben vorgestellten Form des Primings – des semantischen Primings – gibt es noch andere Formen des Primings, so vor allem das affektive Priming.

Beim affektiven Priming geht es darum, durch das Auslösen von Gefühlen die folgende Wahrnehmung zu beeinflussen. Damit kann dann auch das Handeln einer Person beeinflusst werden.

Als ich beschrieb, wie man Anker bei anderen setzen kann [diese Beschreibung ist im Blog nicht zu finden, sondern ein einem von mir geschriebenen und bisher nicht veröffentlichten Skript zu Hypnose, NLP etc.], habe ich als Beispiel gewählt, eine andere Person an seinen besten Freund oder ihre beste Freundin denken zu lassen. Auch hier findet bereits ein affektiver Priming-Prozess statt. Der / die andere kommt in einen positiven Gefühlszustand, wenn er zum Beispiel an positive Attribute des besten Freunds oder der besten Freundin denkt.

Ein Test hat gezeigt, dass Probanden auf der Straße wesentlich häufiger einwilligen, an einer Befragung teilzunehmen, wenn man sie zuvor genau darum bat: „Denken Sie kurz an Ihren besten Freund / Ihre beste Freundin.“

In einem weiteren Test konnte festgestellt werden, dass die Hilfsbereitschaft von Probanden signifikant steigt, wenn sie zuvor eine kleine Summe Geld (10 Cent, 50 Cent) auf der Straße finden. Probanden, die diese kleine Summe Geld fanden, halfen im Schnitt wesentlich häufiger spontan anderen, denen etwas auf den Boden gefallen war.
Daran können Sie sehen, dass Sie mit Ihrem Wissen über Priming ein weiteres mächtiges Werkzeug in Ihrem Werkzeugkasten haben.

 

Wie Sie Priming einsetzen können

… erfahren Sie an dieser Stelle nicht.

Vielleicht werde ich eines Tages ein Skript veröffentlichen, in dem ich das Priming sowie einige Techniken aus der NLP (neurolinguistischen Programmierung) sowie der Hypnose näher beschreibe. Aktuell habe ich mich jedoch nicht dafür entschieden.

Wer mehr über Priming wissen möchte, wird im WWW sicherlich fündig werden.

 

Anmerkung: Das Beispiel mit dem Zwergelstern habe ich dem Trainer und Coach Reinhard Lippke zu verdanken, der es bei einem Seminar an der ESB Business School Reutlingen präsentierte.

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1 Kommentare.

  1. Sehr ausführlich und lesenwert!
    Danke für den fachlich und sprachlich einwandfreien Artikel. Bitte mehr davon! :mrgreen:

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